Presse


Presseinformation 04.11.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Mainzer Madrigalchor startet mit seinem neuen Programm und sucht zugleich neue Sängerinnen und Sänger. Für Mai/Juni 2019 sind mehrere Konzerte geplant.

Programm

Michel Corrette (1707–1795): „Laudate Dominum de coelis“ (Ps. 148). Grand Motet nach Vivaldis „Frühling“
Henry Dumont (1610–1684): „Quemadmodum desiderat cervus“ (Ps. 41, 1–7). Motette
Michel Delalande (1657–1726): „Cantate Domino“ (Ps. 97). Motette

Die Zählung der Psalmen erfolgt gemäß der Vulgata.

Programmfeature „Laudate Dominum“

Unter dem Titel „Laudate Dominum“ präsentiert der Mainzer Madrigalchor 2019 ein geistliches Programm mit barocker Vokalmusik aus Frankreich. Diese ist eher eine Seltenheit in deutschen Konzertsälen, hat aber bei unseren Nachbarn eine glänzende Tradition. Insbesondere am Versailler Hof des kunstsinnigen Louis XIV entwickelte sich die französische Barockmusik zu voller Blüte.

Den eigentlichen Anstoß für das Programm gibt aber ein äußerst spannendes Werk des Organisten, Komponisten und Musikschriftstellers Michel Corrette (1707–1795), der nach den Lebensdaten eher in die klassische Epoche fällt. Corrette verwandelte Vivaldis „Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“ in ein geistliches Konzert mit Chor, Vokalsolisten, Orchester und eben Solovioline, denn Vivaldis Original ist ja ein Violinkonzert. Diese Verbindung von Vokal- und Violinkonzert ist völlig einzigartig und verdient alleine deshalb große Beachtung. Dem Komponisten gelingt es insbesondere, virtuose Instrumentalsoli geschickt mit Vokalsoli zu verbinden und durch den Text von Psalm 148, in dem die ganze Schöpfungsnatur ihren Erschaffer preist, zu ergänzen. In der Begrifflichkeit der Versailler Tradition handelt es sich um ein „Grand Motet“, also um ein groß angelegtes mehrsätziges Werk, ähnlich einer Kantate, allerdings ohne Rezitative (die man nur in Italien und Deutschland mochte) und ohne scharfe Trennung zwischen Soli und Chor.

Mit Henry Dumonts (1610–1684) eher ernster Motette „Quemadmodum desiderat cervus“ („Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“, Psalm 41) haben wir ein früheres Beispiel Versailler Kirchenmusik unter Ludwig XIV. im Programm. Hier erinnert noch vieles an den grandiosen venezianischen Stil in der Behandlung des Chors (Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi), aber es gib auch schon Soloarien, solistische Ensemblesätze und einen völlig eigenständigen Einsatz des Orchesters, wie von Jean-Baptiste Lully vorgeprägt.

Michel Delalandes (1657–1726) Motette „Cantate Domino“ (Psalm 97) entfaltet die Versailler Hofmusik zu voller Pracht. Der Komponist stand in besonderer Gunst Ludwigs, vor allem wohl deshalb, weil er selbst bei einem so ernsthaften, großen Kirchenwerk eine Fülle eingängiger und graziler Melodien zu bieten hatte. Überhaupt klingt die Motette leichtfüßig und durchsichtig, ohne in den Chören an großen Momenten zu sparen. Gewissermaßen ist dem Werk die Eleganz höfischer Galanterie eingeschrieben.

Auch wenn man hierzulande die Namen der Komponisten kaum kennt, weil man eher an der eigenen Barocktradition orientiert ist, erwartet uns mit den französischen Meistern ein wahrhaft königliches – um nicht zu sagen: sonniges und frühlingshaftes – Vergnügen.

Der Madrigalchor interpretiert die Werke in bewährter Weise mit kleinem, aufeinander abgestimmtem Instrumentalensemble und differenzierter Besetzungstechnik, die neben professionellen Vokalsolisten und „Soli aus dem Chor“ auch die Unterscheidung zwischen Tutti- und Favoritchor einschließt. Der in diesem Fall musikhistorisch nicht ganz korrekte Verzicht auf groß besetzte Klangmasse betont die Durchsichtigkeit und Grazilität der Werke.

Hans Meyer, im November 2018

Programmfeature von Hans Meyer als PDF


Hintergrundinfo Mainzer Madrigalchor

Der Mainzer Madrigalchor hat sich auf vokale Arrangements aus Renaissance und Barock spezialisiert, hat in den vergangenen Programmen aber auch gerne mit zurückhaltender, zeitgenössischer instrumentaler Begleitung gearbeitet.

Das Madrigal, das „mehrstimmige Vokalstück“ auf Basis einer freien Gedichtform, entwickelte sich unterschiedlich in Jahrhunderten und Ländern und ist daher variantenreich in Sprache, polyphonen Stimmarrangements und existiert für verschiedenste Ensemblegrößen.

Der Mainzer Madrigalchor ist ein gemischter Kammerchor aus rund 30 Chorsängerinnen und Chorsängern im Alter zwischen 25 und 60 Jahren. Im Mittelpunkt steht die Freude am Singen und an ungewöhnlichen Arrangements. Mit seinem letzten Konzert „Commedia“ Mai und Juni 2018 feierte er sein 40-jähriges Bestehen.

Der Chor ist einer der wenigen, die nicht zu einer Kirche oder Institution gehören und finanziert sich ausschließlich über Mitgliederbeiträge und Konzerteinnahmen. Chorprobe jeden Dienstag (außer während der Sommer- und Weihnachtsferien) 20.00–22.00 Uhr in der Evangelischen Pauluskirchengemeinde in der Mainzer Neustadt.

Kontakt: Hans Meyer, chorleiter(a)mainzer-madrigalchor.de
Pressekontakt: info(a)mainzer-madrigalchor.de
Anschrift: Mainzer Madrigalchor, c/o Eva Maria Herbst, Am Großberg 11, 55130 Mainz, Tel.: (nur Mobilwahl) 0 61 31 / 50 93 35

Der Mainzer Madrigalchor 2017 in der Antoniuskapelle Mainz
Der Mainzer Madrigalchor 2017 in der Antoniuskapelle Mainz
Foto: privat
Der Mainzer Madrigalchor 2016 vor der Evangelischen Kirche Wörrstadt
Der Mainzer Madrigalchor 2016 vor der Ev. Kirche Wörrstadt
Foto: Karin Walsh-Henkel

Auf Wunsch schicken wir Ihnen die Bilder gerne in einer höheren Auflösung zu.


Die Presseinformation zu unserem letzten Konzert „Commedia – 40 Jahre Mainzer Madrigalchor” finden Sie unter ⇒ Unsere Musik, „Commedia”, Presseinformation.